Meine Tochter hat uns das geschenkt, wofür ich zu ängstlich war: eine echte Hausgeburt.
- Monika Frey-Rahoui
- 9. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Die Geburt meiner Tochter Marlies ist nun schon mehr als zehn Jahre her.
Meine Erstgeborene kam in einer Zeit zur Welt, als ich auf der ganzen Linie vor einem Neuanfang stand.
Umso wichtiger war es mir, von einer erfahrenen Hebamme betreut zu werden.
Der Himmel schickte mir auf Umwegen Moni.
Nach einigen Kennenlernterminen und einem Geburtsvorbereitungskurs, war der große Tag gekommen: 6 Tage vor dem errechneten Termin hatte ich nachts einen Blasensprung. Da dieser keine Wehen mit sich brachte, schlief ich die Nacht durch.
Am nächsten Tag meinte Moni, ein Wehencocktail mit Rhizinusöl könnte anregend wirken.
Diesen bereitete ich streng nach Anleitung zu und trank ihn, wie empfohlen, vor dem Mittagessen.
Der Begriff Cocktail mag zwar nach 9 Monaten Schwangerschaft verlockend klingen, doch sind weder Geschmack noch Wirkung dem Original gleichzusetzen.
Was man dafür bekommt, ist ein legendärer Ritt am stillen Örtchen mit Wirkung.
Das erste Ziehen im Rücken wurde spürbar und Moni riet mir um 16 Uhr zu einem warmen Bad, um bestimmen zu können, ob es sich schon um Wehen handelte.
Im Wasser wurde sehr schnell klar, dass es sich um echte Wehen handelte.
Obendrein wurden diese schlagartig stärker und rollten nur so über mich.
Mein Mann telefonierte aufgeregt mit Moni, die sich im Eilzugtempo zu uns aufmachte.
Was war nur los? Die versprochenen Pausen zwischen den Wehen blieben fast völlig aus. Ich bekam Angst. Ich hatte doch eine Geburt im Geburtshaus geplant!
Was sollte denn dieses Schieben nach unten denn jetzt schon bedeuten?
Als Moni die Wohnung betrat und sie mich im Bad wie ein Löwe brüllen hörte, wusste sie bereits: eine Hausgeburt stand bevor.
Ganz ruhig betrat sie das Badezimmer, lächelte mich an und sagte: „Du scheinst dich in der Wanne nicht wohlzufühlen. Ich schlage vor, ich helfe dir hinaus, wir gehen rüber zum Bett und ich schau mal, wie es dem Baby geht.“
Ich kann mich bis heute nicht erinnern, wie ich aus dem Bad zum Bett gekommen bin, aber ich weiß noch, dass ich erleichtert war zu hören, dass die Herztöne meines Kindes ganz normal waren.
Jetzt, wo meine Hebamme bei mir war, konnte ich mich etwas entspannen.
„Wir können jetzt gerne ins Geburtshaus fahren, wenn du magst, aber ich kann dir nicht garantieren, dass du dein Kind nicht im Auto bekommst. Oder aber wir machen eine Hausgeburt, mir ist beides Recht.“, meinte Moni nach der Untersuchung.
Keine zehn Pferde hätten mich dazu gebracht mich jetzt ins Auto zu begeben. „Wir bleiben da.“, sagte ich bestimmt.
Alle Menschen, die mich gut kennen wissen, wie wichtig es war, dass ich diese Entscheidung selbst treffen durfte.
Mir war jedoch nicht bewusst, dass Moni nach so kurzer Kennenlernzeit, mich so treffend einschätzen konnte.
Ich denke, das ist ihre wichtigste Eigenschaft: diese Gabe in dich hineinzuschauen, instinktiv zu wissen, was du in der Ausnahmesituation Geburt brauchst.
Nicht nur auf der körperlichen, sondern ganz besonders, auf der emotionalen Ebene.
Ich gebar im Anschluss in der Hocke vor meinem Bett. Moni fing das Baby auf. Ich war wie versteinert und rührte mich nicht als ich sein erstes leises Weinen hörte: Es war vollbracht!
Da sagte Moni sanft: „Mama, gib doch mal deine Arme nach unten, damit ich dir deine Tochter hineinlegen kann.“ Da erfuhr ich es: Ein Mädchen!
Ich war doch tatsächlich die Mama eines Mädchens geworden!
Lächelnd nahm ich das kleine schrumpelige Menschlein in Empfang, stand mit ihm aus eigener Kraft auf und trug es zum Bett.
Noch heute bin ich fasziniert: Minuten zuvor dachte ich, der Unterleib würde mir zerreißen und da ging ich nun: schmerzfrei, die Nabelschnur zwischen den Beinen hängend, allein die paar Schritte zum Bett. Ich bin so dankbar, dass meine Tochter uns das geschenkt hat, wofür ich zu ängstlich war: eine echte Hausgeburt.


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