Eine Hausgeburt und eine Geburt im Geburtshaus Wien
- Monika Frey-Rahoui
- vor 6 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Als ich zum ersten Mal schwanger war, wusste ich von den Erzählungen von Familie und
Freundinnen, dass eine Geburt wunderbar sein kann – aber auch schrecklich und traumatisierend.
Ein gemeinsamer Nenner der wunderbaren Geburten war der Umstand, dass all diese Frauen ihre Kinder mit der Hilfe einer Hebamme in einem Geburtshaus oder zu Hause geboren hatten, in Geborgenheit, Ruhe und selbstermächtigt. Ich wollte das auch – ich wollte gebären und nicht entbunden werden.
Und so habe ich mich an Moni gewendet und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Moni und ihre Kolleginnen vom Geburtshaus haben mich durch die Schwangerschaft begleitet und mir das Gefühl gegeben, dass schwanger sein fantastisch ist und gebären etwas Normales. Schaffbares. Sogar Schönes.
Ich und mein Mann haben uns entschieden, unseren Sohn zu Hause zu bekommen. Und da wir in einem sehr alten Haus gewohnt haben und das Wetter für die Jahreszeit verblüffend kalt war, haben wir uns gefühlt, wie im 19. Jahrhundert: Mein Mann hat Feuerholz nachgelegt und ich hab den Buben geboren. Oder so.
Aber von vorn. Da das Bürschchen sich im Bauch sehr wohl gefühlt hat, obwohl er schon seit Monaten in der perfekten Geburtslage ausgeharrt hat, wollte er nicht raus. So habe ich auf Monis Rat hin einen Wehencocktail gemixt und getrunken. Pünktlich 5 Stunden später – (blöderweise um 22.00 Uhr, ich hatte Angst, dass der Cocktail nicht wirkt und ich doch noch im Krankenhaus lande... so hab ich das Zeug ehestmöglich getrunken und nicht durchgerechnet, was das für uns alle heißt!) – haben die Wehen begonnen.
Um 04:30 Uhr hab ich die Panik bekommen und meinen Mann gezwungen, Moni anzurufen. Die war bald da und hat nur milde gelächelt, als sie gesehen hat, dass wir noch echt lange an dieser Geburt arbeiten würden. Sie hat mir geraten mich nochmal hinzulegen. Und mit ihrer beruhigenden Präsenz habe ich das auch geschafft. Als wir alle noch ein paar Stunden geschlafen haben, ging ca. um 08.00 Uhr die Geburt los.
Und das war echte Arbeit. Mit Herumspazieren und Stiegengehen, damit die Wehen stark genug sind. Mit Holz nachlegen, damit es warm bleibt. Ohne Essen und Trinken, denn das ist nicht drin geblieben. Moni war die ganze Zeit dabei, ruhig und
beruhigend, immer aufmerksam, ernst, aber mit einem Lächeln um die Augen. Das Bürschchen hat sich bitten lassen. Aber schließlich haben wir es doch geschafft, er und ich: um 18:45 Uhr war er endlich da.
Ich war so fertig, dass ich ihn nur auf meinem Bauch liegen gespürt hab. Aber da ich alle
Zeit der Welt für meine Geburt hatte, war ich gesund und unverletzt. Und er auch. Während ich mich geduscht habe und dann in mein eigenes Bett gekuschelt habe, hat Moni das kleine Arthürchen versorgt, gewogen und gemessen und meinem Mann schnell beigebracht, wie man ein Neugeborenes wickelt, anzieht und wie man den Nabel pflegt. Und dann sind wir eingeschlafen, daheim, in unserer Geburtshöhle. Arthur und ich.
Und Moni ist auch in den nächsten Tagen und Wochen nicht von unserer Seite gewichen und hat uns durch alle Höhen und Tiefen begleitet. Sie hat uns durch die schwierigen ersten Tage gebracht, mir das Stillen und Arthur das Trinken gelernt. Sie war immer da. Gelassen, stark und freundlich wie der Sommer.
Deshalb wollte ich auch mein zweites Kind unbedingt mit ihrer Hilfe bekommen.
Da wir aber mittlerweile umgezogen waren und zwischen Monis Haus und unserem ganz Wien und zwei Stückln Niederösterreich lagen, haben wir uns darauf geeinigt, dass wir uns zur Geburt im Geburtshaus in Wien treffen. Für beide quasi auf halber Strecke. Die Monate der Schwangerschaft waren wie schon beim ersten Mal durch die Begleitung der Hebammen wunderbar.
Und als dann der große Tag nahte, wusste ich schon, dass der Wehencocktail funktioniert (denn selbstverständlich hat sich auch die kleine Dame bitten lassen) und habe mir gut ausgerechnet, wann ich ihn nehme. So konnte Arthur von Oma und Opa versorgt werden und wir durch den Schnee Richtung Wien düsen.
Um 07:00 Uhr hat uns Moni in Empfang genommen und 30 Minuten später saß ich in einer warmen Badewanne umgeben von leiser Musik, liebevoller Menschen und Kerzenlicht, das die vor dem Fenster wirbelnden Schneeflocken glitzern ließ.
So romantisch blieb es natürlich nicht – wie Moni so schön sagt: „Irgendwann hörst du zu reden auf, dann wissen wir, dass es bald soweit ist!“ Tja, sie hat halt echt viel Erfahrung.
Aber diesmal musste ich nur fünfeinhalb Stunden arbeiten. Das dafür gefühlt umso intensiver und ich kann mich an den Gedanken erinnern, dass ich allein einfach aufgeben würde. Aber ich war ja nicht allein. Wie bei der ersten Geburt war ich in der Gegenwart meines Mannes und meiner Hebamme geborgen.
Und so
konnte ich um 12:35 Uhr endlich mein Mädchen im Arm halten. Sie war empört. Vielleicht fand sie die Geburt in der Wanne nicht so toll wie ich.
Frisch geduscht habe ich zugesehen, wie Moni mein Baby versorgt hat. Ich habe Hühnersuppe mit Sternchennudeln bekommen, was für ein herrlicher Luxus. Und ich konnte friedlich mein Eleonorchen kuscheln.
Aber da zuhause ja schon ein kleiner Hase gewartet hat, wollte ich natürlich bald heim. Und so sind wir um 14:30 schon nach Hause gedüst. Und dann haben wir daheim auf die tolle Geburt angestoßen und auf das kleine Mäuschen. Und wir haben derweil auf der Couch gekuschelt, Arthur, Eleonore und ich.
Hebammen sind echt die besten. Und Moni ist nochmal ganz besonders. Und sie meint, wenn ich noch ein Drittes bekomme, fährt sie vielleicht für die Geburt doch bis zu uns nach Hause.
Schau‘ ma mal...




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