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Unser 6. Wunder - Geburtsbericht von Samuel

  • Autorenbild: Monika Frey-Rahoui
    Monika Frey-Rahoui
  • 5. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Ich dachte, dass die Geburt mit dem sechsten Kind schneller verlaufen würde – aber wie uns das Leben oft zeigt, kommt manches anders als erwartet.


Meine Schwangerschaft verlief insgesamt unkompliziert, und abgesehen von einem gut

behandelten Eisenmangel war alles ruhig, entspannt und normal.

Der errechnete Geburtstermin war der 25.12.2025. Wie erwartet wollte Samuel jedoch kein Weihnachtsbaby werden und sich lieber seinen eigenen, besonderen Geburtstag aussuchen.

Also hieß es warten – und geduldig bleiben.


Da ich unbedingt eine Hausgeburt wollte, wurde ich mit jedem Tag nach dem ET etwas

unruhiger. Eine Woche verging, dann zehn Tage, schließlich dreizehn Tage – und Samuel ließ sich weiterhin Zeit.

Umso erleichterter war ich, als sich in der Nacht auf den 7.1.2025 endlich etwas regte. Ein

leichtes Unterleibsziehen kündigte den Beginn der Geburt an, über den Tag verteilt wurden die Wehen etwas intensiver, aber blieben gut auszuhalten.

Wir brachten früh morgens die Kinder zu den Großeltern, da ich das Gefühl hatte, dass es in dieser Nacht losgehen würde. Den Tag verbrachte ich entspannt – bei Kuchen, Keksen und in vertrauter Familienatmosphäre.


Am Nachmittag merkte ich, dass mir das Gewusel zu viel wurde. Ich spürte das Bedürfnis, mich zurückzuziehen, war aber gleichzeitig unsicher, weil ich meine Kinder eigentlich gerne bei mir gehabt hätte.

In meiner Vorstellung sollte die Geburt nachts stattfinden, die Kinder sollten durchschlafen und später dazukommen können.

Die Wehen kamen etwa alle dreißig Minuten – manchmal stärker, manchmal schwächer – und fühlten sich bereits muttermundwirksam an, auch wenn sie für mich eher wie eine sanfte Vorbereitung wirkten.


Schließlich entschied ich mich entgegen meinem ersten Instinkt doch dazu, die Kinder wieder mit nach Hause zu nehmen.

Doch kaum waren wir daheim, wurden die Wehen kräftiger – und ich konnte mich nicht wirklich darauf einlassen, weil ich noch vollkommen im „Mamamodus“ war.

Also baten wir die Kinder schweren Herzens erneut zu den Großeltern zu fahren.


Als die Wohnungstür sich hinter ihnen schloss, brachen bei mir alle Dämme.

Ich musste weinen – Tränen des Loslassens: vom lauten Alltag, von der Schwangerschaft, von der gewohnten Routine, die sich mit dem neuen Familienmitglied ändern würde.

Ich weinte auch für die kommende Zeit im Wochenbett, in der ich wieder ganz in meiner

eigenen Welt bin.

Für die Kleinen, die die intensive Nähe kurz vermissen würden, und für die Großen, die dadurch wieder ein Stück erwachsener werden.

Es waren Tränen für einen neuen Lebensabschnitt.


Nachdem ich mich gesammelt hatte, begann ich die letzten Vorbereitungen: ein wenig

aufräumen, etwas essen, entspannt duschen und es mir gemütlich machen.

Die Wehen kamen weiterhin regelmäßig alle halben Stunden.

Als meine Hebamme Moni vorbeikam, besprachen wir alles. Sie war mir eine große

Unterstützung und gab mir Mut.

Bei der Kontrolle stellte sie fest, dass der Muttermund bereits 6 cm geöffnet war – eine

wunderbare Nachricht, die mich sofort beflügelte.

Auch wenn man glauben könnte, dass man nach fünf Geburten alles weiß, bringt jede

Schwangerschaft ihre eigene Unsicherheit und ihre eigene Besonderheit mit sich.

Man weiß, was kommt – aber nie, wie es kommt.


Nachdem Moni wieder gegangen war, versuchte ich zu ruhen. Für etwa eine halbe Stunde schlief ich tatsächlich ein, doch die Aufregung war zu groß. Also schaute ich zur Ablenkung eine Dokumentation.

Zwischendurch kam Andy wieder nach Hause, und wir aßen gemeinsam etwas.

Gegen 19 Uhr wurden die Wehen stärker und kamen bereits im Abstand von zehn Minuten.

Ich hoffte, dass es so schnell gehen würde wie bei der letzten Geburt – vor allem, weil ich ja schon 6 cm hatte – doch es zog sich hin.

Bis Mitternacht blieb alles noch relativ ruhig, nur zunehmend unangenehm. Zwischendurch legte ich mich in die Badewanne, was sehr lindernd wirkte.


Da die Wehen etwas intensiver wurden, rief ich gegen Mitternacht erneut Moni an.

Bei ihrer Ankunft zeigte sich, dass der Muttermund nun bei 8 cm war – also hieß es weiter

warten, atmen, spüren, annehmen.

Einige Wehen veratmete ich wieder in der Badewanne; dort hatte ich das Gefühl, dass es

allein besser voranging, aber dennoch war ich zwischendurch unsicher und kam nicht ganz in meinen Geburtsfluss.

Zurück im Wohnzimmer schienen die Wehen dann wieder länger auf sich warten zu lassen.

Ich probierte verschiedene Positionen und wurde zunehmend ungeduldig. Der Schleimpfropf löste sich, die Herztöne waren stabil – alles gut, auch wenn sich die Intervalle manchmal verlängerten.


Um ca. 5:45 Uhr begannen schließlich die Presswehen. Sie überrollten mich kraftvoll und

intensiv, ich war erschöpft und voller Anstrengung – aber mein Körper wusste, was zu tun

war.

Und dann, nur wenige Minuten später, um 5:57 Uhr, erblickte unser gesunder kleiner Samuel das Licht der Welt.

Eine Welle aus Erleichterung, Dankbarkeit und überwältigender Liebe durchströmte mich.

Die Nachgeburt kam etwa 20 Minuten später problemlos.

Moni untersuchte mich – keine Verletzungen.

Samuel wog 4320 g und war 54 cm lang – ein kleiner, großer Junge.

Ich bekam ihn sofort auf meine Brust. Warm, weich, friedlich. Wir kuschelten, ich legte ihn an, und die Welt stand für einen Moment still.

Moni half mir beim Anziehen, und schließlich durfte ich mich mit Samuel ins Bett kuscheln.

Ein paar tiefe Atemzüge – und ich schlief erschöpft, aber glücklich ein.


Ich bin unendlich dankbar, erneut eine sichere, liebevolle und stärkende Hausgeburt

erlebt zu haben.

Dankbar für Monis ruhige, kompetente und herzliche Art.

Dankbar für meinen Körper, der diese Reise schon so oft gemeistert hat.

Dankbar für dieses neue, wundervolle Leben, das uns nun begleitet.

 
 
 

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Dipl. Hebamme Monika Frey-Rahoui
Hauptstraße 27, 3422 Altenberg

Telefon: +43 699 19426857

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