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die zweite Geburt mit Moni

  • Autorenbild: Monika Frey-Rahoui
    Monika Frey-Rahoui
  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Sechs Jahre nach der Geburt meiner ersten Tochter wählte ich wieder Monis Nummer: ich war schwanger und sollte im Februar mit meinem neuen Partner Gottfried mein zweites Kind bekommen.

Keine andere Frau sollte mich begleiten als Moni: und sie hatte Zeit! Ich freute mich riesig über das Wiedersehen!


Das Jahr 2021 war von Corona noch sehr geprägt.

Eine Infektion rund um den Geburtstermin hätte zur Folge gehabt, ohne Beisein meines Partners und Moni, abgeschottet auf der Quarantänestation zu entbinden.

Deshalb fassten Gottfried und ich den Entschluss uns drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin abzuschotten und uns in Ruhe auf die Geburt vorzubereiten.


Keine drei Stunden nachdem der letzte Besuch unser Haus verlassen hatte, hatte ich nachts einen Blasensprung.

Aufgeregt weckte ich Gottfried, der sehr interessiert meine nasse Pyjamahose untersuchte.

Fachkundig erklärte er mir: „Das ist nicht genug Wasser für einen Blasensprung. Beim Geburtsvorbereitungskurs haben sie gesagt, dass das mehr ist.“

Ich verstand ja seinen Wunsch nach ein wenig Ruhe vor dem Sturm, dennoch sah ich ihn entgeistert an.

„Schatz, ich hab schon mal ein Kind bekommen, das ist ein Blasensprung.“

Ob er nun wollte oder nicht, es war so weit.


Am nächsten Morgen, nachdem Gottfried noch vor lauter Aufregung noch einen Löffel im Shaker mitgemixt hatte, brachten wir unsere große Tochter Marlies zu ihrem Papa nach Wien und trafen uns mit Moni im Geburtshaus.

Um die Wehen anzuregen, wurde ich akupunktiert: eine Qual für mich, da ich unter einer Nadelphobie leide.

Ich war sehr froh, als Moni die letzte Nadel entfernte und uns fragte, ob wir denn schon zu Mittag gegessen hatten.

Wir schüttelten den Kopf. „Geht mal essen, danach eine Runde spazieren und dann treffen wir uns wieder.“ Gesagt getan: Wir kehrten nobel bei Mario’s ein.


Der nette Kellner fragte mich anteilnehmend wann „es denn so weit sei“ und fühlte sich sichtlich verschaukelt als ich „Heute noch.“ antwortete.


Nachdem weiterhin keine Wehen einsetzten, fuhren wir alle wieder nach Hause und ich schlief noch eine Runde. Um 20 Uhr trafen wir planmäßig wieder im Geburtshaus ein.

Nun war auch Monis Schülerin gekommen.

Die Expertinnen gaben mir einen Wehecocktail zu trinken (der diesmal aber nicht, wie von mir befürchtet, zu einer explosionsartigen Entleerung führte) und stellten mich vor die Wahl: erneute Akupunktur oder die Anwendung einer Brustpumpe.


Alles war mir lieber als die Nadeln und so begann Moni mich in immer länger werdenden Sessions mit der Milchpumpe zu bearbeiten.

Unter uns, es gibt angenehmere Dinge im Leben. Ich bekam Unterleibskrämpfe von der Pumpe, doch wer schon einmal geboren hat weiß, dass es sich bei diesen Krämpfen maximal um den kleinen Bruder der echten Geburtswehen handelt.


Trotzdem war ich froh, als die Tortur ein Ende hatte und ich mich in der Geburtswanne bei einem Bad ausruhen durfte.

Die Hebammen zogen sich zum Schlafen zurück und auch Gottfried und ich ruhten am Bett: da begann das altbekannte Rückenziehen und wurde rasch immer stärker.

Ich begann zu tönen. Gottfried wurde schon etwas unruhig, weil eine, ihm sicher viel länger anmutende Zeit, keine der Hebamme auftauchte.


Dann steckte Moni neugierig ihren Kopf zur Tür herein. „Ich geh noch schnell aufs Klo und dann bin ich ganz bei euch.“ Und schon war sie wieder fort.

Gottfried sah mich ungläubig an.

Er wollte offenbar ungern mein einziger Geburtshelfer sein.

Doch für mich war klar: die Hebammen gönnten sich die letzte Klopause vor der bevorstehenden Geburt.


Ich stieg nochmals in die für mich neu eingelassene rote Wanne und ließ der Natur ihren Lauf.

Ich erlebte diese Geburt als wesentlich schmerzvoller als meine erste: Vielleicht war ich hormonell nicht so gut versorgt wie bei Marlies?

Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass die Austrittsphase des Kopfes zwei Wehen in Anspruch nahm? Ich weiß es nicht.


Gottfried erlebte den Moment jedenfalls magisch, als unser Sohn, dessen Geschlecht wir auch da erst erfuhren, in das warme Wasser eintauchte.

Moni wickelte vorsichtig die Nabelschnur von seinem Hals, welche drei Mal umschlungen war: Mutter Natur wusste wohl, warum sie nicht noch drei Wochen bis zum errechneten Termin gewartet hatte… unser Sohn war wohlauf und trank noch in der Wanne an meiner Brust.


Kaum war die Nachgeburt da, wurde ich aufs Bett begleitet.

Das Baby wurde von Moni versorgt und Papa Gottfried benötigte eine lange Zeit, bis er all die kleinen Gliedmaßen in dem Body gesteckt hatte.

Noch im Geburtshaus entschieden wir, dass unser Sohn Martin heißen sollte und fuhren keine zwei Stunden, nachdem er das Licht der Welt erblickt hatte, schon unendlich glücklich mit ihm nachhause.


 
 
 

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Dipl. Hebamme Monika Frey-Rahoui
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