Drei selbstbestimmte Geburten mit einer Hebamme, die mir Sicherheit gab.
- Monika Frey-Rahoui
- 5. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Bei meiner jüngsten Tochter ging alles ganz schnell: Bereits im Juni 2022, 7 Monate nach meiner letzten Geburt, war ich erneut schwanger.
Auch diesmal wollte ich es unbedingt ins Geburtshaus schaffen und hatte von Beginn weg Sorge, da der Weg von Baden nach Wien verkehrstechnisch oft sehr belastet ist.
Die letzten 14 Tagen vor dem errechneten Termin verbrachte Gottfried ununterbrochen im Home Office, um allzeit bereit zu sein.
Dennoch war es am 27. März von großer Bedeutung, dass er dienstlich nach Wien fuhr.
Meine Mutter, die hätte für ihn einspringen sollen, bekam am Morgen Fieber und wir entschieden, dass ich den Tag alleine bewältigen würde.
Ich fühlte mich körperlich unwohl.
Seit zwei Wochen hatte ich mit einem schweren Husten zu kämpfen und mein Bauch krampfte immer nach den Hustenattacken.
Ich deutete das leichte Bauchziehen, welches ich verspürte als ich am Nachmittag mit Marlies zur Reitstunde fuhr, daher noch nicht richtig.
Just an diesem Tag fiel Marlies auch noch vom Pferd und als ich Martins Kinderwagen ins Auto hob, fühlte sich das Unterfangen im Kreuz so gar nicht angenehm an.
Ich war erleichtert, als wir um 18 Uhr endlich zuhause ankamen.
Martin hatte Hunger und ich war gerade dabei ihn mit Kürbis zu füttern, als meine Fruchtblase platzte.
Ich hatte gerade noch Zeit Gottfried, Moni und meinen Vater anzurufen, da schossen auch schon die Hormone ein und ließen mich am ganzen Körper zittern.
Marlies half mir dabei mich umzuziehen, die ersten Wehen kamen bereits im 5 Minuten Takt.
Endlich war mein Vater da, übernahm die Kinder und half mir beim Schuhe anziehen. Um 19:00 hielt Gottfried mit quietschenden Reifen vor dem Haus und half mir ins Auto.
„Schaffen wir das?“, fragte er mich. „Ja, aber fahr schnell.“ Ich lehnte mich zurück und schloss die Augen. Eine Geburt im Auto ohne Moni: welch ein Albtraum!
Ich musste es einfach bis nach Wien schaffen.
Mein Körper gehorchte aufs Wort: bei der Autobahnauffahrt Traiskirchen hatte ich noch eine Wehe, dann waren die Schmerzen wie weggeblasen.
Gottfried raste über die Autobahn.
Um 19:30 parkte er direkt auf der Gehwegabsenkung vor dem Geburtshaus und begleitete mich hinein.
Noch immer hatte ich keine Wehen.
Moni empfing mich bei der Tür und schaute mir in die Augen.
„Ich geh noch schnell das Auto umparken.“, erkläre Gottfried ihr.
„Nein, du gehst jetzt nicht mehr weg.“, antwortete ihm Moni ruhig.
Was hatte sie denn bloß? Es waren doch weit und breit keine Geburtsanzeichen mehr da!
„Wir haben dir schon eine Wanne eingelassen. Vielleicht magst du hinein?“, fragte Moni mich. Eigentlich hielt ich das für etwas übertrieben, aber ich hatte gelernt, ihr blind zu vertrauen.
Kaum berührte ich das Wasser, da war das altbekannte Ziehen wieder da.
Ich konnte schon das Schieben und den Kopf spüren, Moni stützte mir den Rücken.
Es benötigte genau zwei Presswehen um Marlene zu gebären.
Lautstark gab sie um 19:51 ihre Ankunft bekannt: ein kleines rotes Wunder mit einer beindruckenden Frisur.
Mir war kalt und es dauerte mir zu lange bis die Nachgeburt endlich da war.
Obwohl die Geburt so problemlos gelaufen war, hatte ich dieses Mal Bauchschmerzen und fühlte mich zittrig.
Die Hebammen wickelten mich in Decken und gaben mir eine warme Suppe zu essen. Das gab mir Kraft und ich konnte Marlene das erste Mal stillen.
Sie war fordernder beim Trinken als meine ersten Kinder und ich spürte, wie mein Unterleib wieder zu schmerzen begann.
Dankend nahm ich das Ibuprophen entgegen, das mir die Hebammen anboten.
Marlene war beim Anziehen quengelig und ließ es ihrem Papa wissen, dass dieser, trotz die Übung die er mittlerweile beim Anziehen von einem Baby hatte, viel zu lange brauchte.
Das Schreien war anstrengend und so schlief sie schon bald darauf ein.
Moni meinte, es wäre günstig, wenn wir gleich nachhause fahren würden.
Schon bald würden die Nachwehen einsetzen und da sollte ich am besten schon wieder im Bett liegen. Gesagt getan: Keine vier Stunden nach meinem Blasensprung betraten wir schon mit unserem dritten Kind unser schönes Haus. Jetzt waren wir komplett.
Ich kann auf drei wundervolle Geburten zurückblicken: So unterschiedlich sie auch waren, sie hatten eine Gemeinsamkeit: einen Fels in der Brandung an meiner Seite.
Eine Frau, dir mir all die Sicherheit gab, mich einfach dem hinzugeben, was die Natur für uns vorgesehen hat.




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